Artenschutz

Artenschutz im Tierpark Bern: Engagement für bedrohte Tierarten

Engagement für den Artenschutz

Die Artenvielfalt auf der Erde nimmt in alarmierendem Tempo ab. Weltweit stehen zehntausende Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Der Tierpark Bern sieht es deshalb als zentrale Aufgabe, zum Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume beizutragen.

Unter dem Motto «Mehr Raum für Vielfalt» verstärkt der Tierpark sein Engagement für Natur- und Artenschutz. Tiere im Tierpark sind dabei Botschafter ihrer bedrohten Artgenossen in der Wildnis. Durch Erhaltungszucht, Forschung, Bildungsarbeit, Lebensraumaufwertung und konkrete Schutzprojekte leistet der Tierpark Bern einen Beitrag zur Bewahrung der Artenvielfalt.

Wie vielfältig dieses Engagement ist, zeigt der Geschäftsbericht 2025 eindrücklich: In den drei Jahren bis Ende 2025 wurden 422 Tiere ausgewildert, mehrere wissenschaftliche Publikationen erarbeitet, regionale und internationale Projekte unterstützt und rund 630 m² Biodiversitätsfläche neu angelegt. Auf diesen Flächen wurden 71 lokale Wildbienenarten nachgewiesen – darunter gefährdete Arten wie Lasioglossum limbellum, die Geriefte Steilwand-Schmalbiene.

Auch die Besucherinnen und Besucher spielen dabei eine wichtige Rolle: Wer den Tierpark besucht, Bildungsangebote nutzt oder den freiwilligen Naturschutzfranken unterstützt, trägt dazu bei, Artenschutz sichtbar, verständlich und wirksam zu machen.

Foto: Europäischer Ziesel im Dählhölzli-Zoo, Tambako Photography

EAZA Ex-situ-Programm (EEP)

Die EEPs, also EAZA Ex-situ-Programme, sind koordinierte Zucht- und Erhaltungsprogramme der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA). «Ex situ» bedeutet, dass Tiere ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums gehalten, gezüchtet und wissenschaftlich betreut werden – zum Beispiel in Zoos und Aquarien.

Ein EEP koordiniert die Haltung und Zucht einer bestimmten Tierart über zahlreiche zoologische Einrichtungen hinweg. Ziel ist es, genetisch gesunde und vielfältige Populationen langfristig zu erhalten. Dafür werden Tierdaten in Zuchtbüchern erfasst, Verpaarungen geplant und Tiertransporte zwischen den beteiligten Einrichtungen abgestimmt.

In einzelnen Fällen können Tiere aus EEPs auch zur Stärkung oder Wiederansiedlung freilebender Populationen beitragen. Damit sind EEPs ein wichtiges Werkzeug für den modernen Artenschutz und das internationale Populationsmanagement.

Die Ziele von EEPs umfassen unter anderem:

  • Erhalt genetisch vielfältiger und gesunder Tierpopulationen in menschlicher Obhut.
  • Koordination von Zucht, Haltung und Tiertransporten zwischen zoologischen Einrichtungen.
  • Sammlung und Auswertung von Daten zu Abstammung, Gesundheit und Fortpflanzung.
  • Wissensaufbau für Tierhaltung, Forschung, Bildung und Artenschutz.
  • Unterstützung von Wiederansiedlungs- oder Bestandesstützungsprojekten, wo dies fachlich sinnvoll und möglich ist.
Foto: Karpaten-Luchs im Dählhölzli-Zoo, Benjamin Boehlert

EEP-Arten im Tierpark Bern

Der Tierpark Bern beteiligt sich mit zahlreichen Tierarten an EAZA Ex-situ-Programmen. Diese Programme koordinieren Zucht, Haltung und Tiertransporte zwischen zoologischen Einrichtungen, damit genetisch gesunde und vielfältige Populationen langfristig erhalten bleiben.

Einige EEP-Arten im Tierpark Bern stehen besonders eng mit aktuellen Artenschutzprojekten, Wiederansiedlungen, Forschung oder internationalem Populationsmanagement in Verbindung.

Aktuell besonders wichtig: 2025 übernahm der Tierpark Bern innerhalb der EAZA zusätzliche Verantwortung. Für den Europäischen Bienenfresser wurde ein neues EEP etabliert, dessen Koordination der Tierpark Bern übernimmt. Beim Wisent-EEP, einem der ältesten Zuchtbücher Europas, übernimmt Bern eine der beiden Rollen als Vice-Koordinator.

Ausgewählte Beispiele

Wisent im Tierpark Bern

Wisent

Bison bonasus

Der Wisent zeigt eindrücklich, wie wichtig langfristige Erhaltungszucht ist. Beim Wisent-EEP übernimmt der Tierpark Bern eine Rolle als Vice-Koordinator.

Foto: Tierpark Bern

Karpaten-Luchs im Tierpark Bern

Karpaten-Luchs

Lynx lynx carpathicus

Der Karpaten-Luchs ist Teil internationaler Erhaltungszucht und Wiederansiedlungsarbeit. Jungtiere aus Bern können zur Stärkung freilebender Populationen beitragen.

Foto: Beatrix Werder

Europäische Sumpfschildkröte im Tierpark Bern

Europäische Sumpfschildkröte

Emys orbicularis

Die einzige einheimische Schildkrötenart der Schweiz wird im Tierpark Bern gezüchtet, erforscht und regelmässig für Wiederansiedlungsprojekte abgegeben.

Foto: Tierpark Bern

Auerhuhn mit Jungtieren im Tierpark Bern

Auerhuhn

Tetrao urogallus

Die Zucht des Auerhuhns gilt als anspruchsvoll. 2025 konnte der Tierpark Bern erstmals junge Auerhähne für ein Auswilderungsprojekt abgeben.

Foto: Tierpark Bern

Persischer Leopard im Tierpark Bern

Persischer Leopard

Panthera pardus saxicolor

Der Persische Leopard steht für den internationalen Artenschutz des Tierparks Bern. 2025 unterstützte der Tierpark zusätzlich ein Monitoring-Projekt im Südkaukasus.

Foto: Beatrix Werder

Europäischer Wolf im Tierpark Bern

Europäischer Wolf

Canis lupus lupus

Der Europäische Wolf ist Teil des EEP und zugleich Gegenstand aktueller Forschung. 2025 startete eine Kooperation mit der Universität Neuchâtel.

Foto: Beatrix Werder

Weitere EEP-Arten im Tierpark Bern

Neben diesen Beispielen beteiligt sich der Tierpark Bern mit weiteren Arten an koordinierten EAZA Ex-situ-Programmen. Die folgende Liste ist nach Tiergruppen gegliedert.

Säugetiere

  • Alpengämse (Rupicapra rupicapra rupicapra)
  • Alpensteinbock (Capra ibex)
  • Bolivianischer Totenkopfaffe (Saimiri boliviensis boliviensis)
  • Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris)
  • Europäischer Wolf (Canis lupus lupus)
  • Europäisches Waldrentier (Rangifer tarandus fennicus)
  • Eurasischer Braunbär (Ursus arctos arctos)
  • Eurasischer Fischotter (Lutra lutra lutra)
  • Karpaten-Luchs (Lynx lynx carpathicus)
  • Kreta-Bezoarziege (Capra aegagrus cretica)
  • Moschusochse (Ovibos moschatus wardi)
  • Persischer Leopard (Panthera pardus saxicolor)
  • Seehund (Phoca vitulina vitulina)
  • Springtamarin (Callimico goeldii)
  • Ussurischer Braunbär (Ursus arctos lasiotus)
  • Wisent (Bison bonasus)
  • Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea)

Vögel

  • Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax)
  • Auerhuhn (Tetrao urogallus)
  • Birkhuhn (Lyrurus tetrix)
  • Eiderente (Somateria mollissima)
  • Europäischer Bienenfresser (Merops apiaster)
  • Kragenente (Histrionicus histrionicus)
  • Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus)
  • Papageitaucher (Fratercula arctica)
  • Rothaubenturako (Tauraco erythrolophus)
  • Schnee-Eule (Bubo scandiacus)
  • Schwarzstorch (Ciconia nigra)
  • Turteltaube (Streptopelia turtur)

Reptilien, Amphibien und Fische

  • Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis)
  • Stumpfkrokodil (Osteolaemus tetraspis)
  • Feuersalamander (Salamandra salamandra)
  • Banggai-Kardinalbarsch (Pterapogon kauderni)

Traditionelle Nutztierrassen: Artenschutz mit ProSpecieRara

Artenschutz betrifft nicht nur Wildtiere. Auch alte Haus- und Nutztierrassen sind Teil der genetischen Vielfalt. Viele traditionelle Rassen wurden in der modernen Landwirtschaft selten, obwohl sie wertvolle Eigenschaften wie Robustheit, Anpassungsfähigkeit und genetische Vielfalt bewahren.

Der Tierpark Bern arbeitet deshalb mit ProSpecieRara zusammen, einer Schweizer Stiftung zur Erhaltung und Förderung der genetischen Vielfalt bei Tieren und Pflanzen. Im Tierpark werden traditionelle Nutztierrassen gehalten und gezüchtet, um ihren Bestand zu sichern und Besucherinnen und Besucher für diese Vielfalt zu sensibilisieren.

Appenzeller Spitzhaubenhuhn im Tierpark Bern

Appenzeller Spitzhaubenhuhn

Gallus gallus domesticus

Das Appenzeller Spitzhaubenhuhn ist eine alte Schweizer Hühnerrasse mit auffälliger Federhaube. Es steht beispielhaft für die Vielfalt traditioneller Geflügelrassen und für den Wert robuster, regional angepasster Nutztiere.

Foto: Tierpark Bern

Diepholzer Gans im Tierpark Bern

Diepholzer Gans

Anser anser f. domestica diepholzer

Die Diepholzer Gans ist eine traditionelle Gänserasse, die ursprünglich aus Norddeutschland stammt. Sie gilt als widerstandsfähig und anpassungsfähig und wird im Tierpark Bern als Teil der ProSpecieRara-Arbeit erhalten.

Foto: Beatrix Werder

Schweizer Fuchskaninchen im Tierpark Bern

Schweizer Fuchskaninchen

Oryctolagus cuniculus domesticus

Das Schweizer Fuchskaninchen ist eine seltene Schweizer Kaninchenrasse mit dichtem, längerem Fell. Seine Haltung im Tierpark Bern trägt dazu bei, diese traditionelle Rasse sichtbar zu machen und genetische Vielfalt bei Nutztieren zu bewahren.

Foto: Tierpark Bern

Wiederansiedlung und Auswilderungsprojekte

Der Tierpark Bern engagiert sich aktiv in Wiederansiedlungs- und Auswilderungsprojekten. Dabei werden in menschlicher Obhut geborene Tiere gezielt auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet oder an geeignete Artenschutzprojekte abgegeben. Solche Vorhaben erfordern sorgfältige Planung, wissenschaftliche Begleitung und enge Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen.

Ein Beispiel aus dem Jahr 2026 ist das Projekt «Linking Lynx»: Ein junger Karpaten-Luchs aus dem Tierpark Bern wurde für ein wissenschaftlich begleitetes Wiederansiedlungsprojekt in Deutschland übergeben. Solche Projekte sollen freilebende Luchspopulationen langfristig stärken und ihre genetische Vielfalt fördern.

Auch 2025 beteiligte sich der Tierpark Bern an mehreren Auswilderungsprojekten: Zehn Schlichtziesel wurden in ein Projekt in Tschechien überführt, erstmals sieben Auerhähne für ein Auswilderungsprojekt im Thüringer Schiefergebirge abgegeben, ein Steinkauz für ein Projekt in Deutschland bereitgestellt und 24 Europäische Sumpfschildkröten im Kanton Freiburg ausgewildert.

Foto: Eurasischer Luchs im Dählhölzli-Zoo, Beatrice Sagara-Zurbrügg

Der Weg zurück in die Natur

Erhaltungszucht ist oft nur ein Teil des Artenschutzes. In geeigneten Projekten folgt ein weiterer wichtiger Schritt: Tiere aus menschlicher Obhut können zur Stärkung oder Wiederansiedlung freilebender Populationen beitragen.

Solche Auswilderungen müssen sorgfältig vorbereitet, wissenschaftlich begleitet und mit Naturschutzorganisationen, Behörden und Fachstellen abgestimmt werden. Ziel ist es, die Tiere bestmöglich auf ein Leben in der Wildnis vorzubereiten und geeignete Lebensräume langfristig zu sichern.

Der Tierpark Bern hat bereits zahlreiche Beiträge zu Wiederansiedlungen und Bestandesstützungen geleistet – unter anderem beim Karpaten-Luchs, beim Wisent, bei der Europäischen Sumpfschildkröte, beim Auerhuhn, beim Steinkauz und beim Schlichtziesel.

Zu den Auswilderungsprojekten im Tierpark Bern

Foto: Europäischer Fischotter im Dählhölzli-Zoo, Carsten Schmidt

Lokale Naturschutzprojekte in Bern und Umgebung

Der Artenschutz im Tierpark Bern beschränkt sich nicht auf internationale Projekte. Ein wichtiger Fokus liegt auf regionalen Naturschutzprojekten in Bern und der Schweiz. Der Tierpark unterstützt Projekte, die heimische Arten fördern, Lebensräume aufwerten und wissenschaftliche Grundlagen für den Schutz der Biodiversität schaffen.

Finanziell ermöglicht wird vieles durch den freiwilligen Naturschutzfranken. 2025 wurden 13 Projekte durch den Naturschutzfranken unterstützt. Insgesamt konnten 201’000 Franken in regionale und internationale Natur- und Artenschutzprojekte investiert werden.

Regionale Projekte für bedrohte Arten

  • Sumpfspitzmaus: Das Projekt zur Förderung der stark gefährdeten Sumpfspitzmaus wurde 2025 weitergeführt. Mit Fotofallen, Kotröhren und Lebendfängen wurde gezielt nach weiteren Vorkommen im Kanton Bern gesucht. Im Schutzgebiet Weissenau-Neuhaus konnte ein weiteres Vorkommen bestätigt werden.
  • Fischotter / Otterspotter: Das Citizen-Science-Projekt «Otterspotter» dokumentiert seit 2017 Fischottervorkommen in der Schweiz. 2025 wurde es erstmals durch den Naturschutzfranken unterstützt. Neben der Kartierung von Otterspuren werden auch Brücken auf ihre Otterfreundlichkeit geprüft. Erste Resultate werden 2026 erwartet.
  • Iltis: Ein weiteres unterstütztes Projekt widmet sich dem Iltis. Wildtier Schweiz und Artenspürhunde Schweiz erfassen den Populationstrend dieser wenig erforschten Art mit Fotofallen und speziell ausgebildeten Artenspürhunden.
  • Feuersalamander: Im Projekt «Salamander Land Bern» wurden 2025 erste Aufwertungsmassnahmen für Land- und Wasserlebensräume umgesetzt. In Zusammenarbeit mit den Forstdiensten wurde darauf geachtet, bestehende Habitatstrukturen zu erhalten und bei Forstarbeiten neue zu schaffen.
  • Berner Käferprojekt: Im Rahmen des Berner Käferprojekts wurden 2025 neue Zuchträumlichkeiten für Nashorn- und Hirschkäfer geschaffen. Zudem wurden Nashornkäfer und Hirschkäferlarven ausgewildert sowie neue Hirschkäfermeiler als künftige Lebensräume und Auswilderungsstandorte vorbereitet.

Biodiversität auf dem Tierparkareal

Auch auf dem eigenen Areal schafft der Tierpark Bern Lebensräume für einheimische Arten. Auf den Biodiversitätsförderflächen westlich des Vivariums sowie rund um die Bienenfresser- und Flamingoanlagen wurde 2025 die Artenvielfalt der Heuschrecken und Tagfalter untersucht. Nachgewiesen wurden sechs Heuschreckenarten, 19 Tagfalterarten und neun tagaktive Nachtfalterarten.

Zusätzlich wurden Lebensräume für Insekten und andere Kleintiere aufgewertet: unter anderem mit gestaffelter Mahd, Futterpflanzen für Raupen des Schwalbenschwanzes, Blütenstauden, einem Holzbienen-Hotel, Wildhecken sowie Ast- und Steinhaufen. Solche Massnahmen zeigen, dass Artenschutz direkt vor Ort beginnt – auf kleinen Flächen, mit vielen Strukturen und mit Menschen, die anpacken.

Foto: Europäischer Fischotter im Dählhölzli-Zoo, Carsten Schmidt

Internationale Artenschutzprojekte

Über die regionalen Initiativen hinaus engagiert sich der Tierpark Bern auch in internationalen Artenschutzprojekten. Dabei arbeitet er mit Naturschutzorganisationen und Fachstellen zusammen, um bedrohte Arten und Lebensräume in ihren Herkunftsregionen zu schützen.

  • Schutz des Persischen Leoparden im Südkaukasus: Der Tierpark Bern unterstützte 2025 ein WWF-Projekt zur Erfassung des stark bedrohten Persischen Leoparden im Südkaukasus. Im georgischen Algeti-Nationalpark wurde eine Sichtung dokumentiert – erst der dritte gesicherte Nachweis dieser Art in Georgien in den vergangenen zwanzig Jahren. Der Tierpark finanzierte 65 Wildtierkameras inklusive Speicherkarten, die ganzjährige Daten zu Präsenz, Bewegung und Bestandsentwicklung liefern.
  • Nachhaltige Wiederbelebung von Korallenriffen: Auch marine Lebensräume stehen im Fokus des Artenschutzes. Zusammen mit rrreefs unterstützt der Tierpark Bern modulare Riffstrukturen aus Ton, die geschädigten Korallenriffen neue Besiedlungsflächen bieten und Lebensräume für Korallen, Fische und weitere Riffbewohner schaffen. 2025 leistete der Tierpark Bern die letzte Ratenzahlung an das Projekt; die Gesamtunterstützung beläuft sich auf CHF 80’000. Das wissenschaftliche Monitoring bestätigte Fortschritte bei Korallenrekrutierung, Artenvielfalt sowie Fischabundanz und Biomasse. Auf den Philippinen soll nun ein Tierpark-Bern-Riff aufgebaut und wissenschaftlich begleitet werden.
Foto: Persischer Leopard im Dählhölzli-Zoo, Tambako Photography

Forschung für Artenschutz und Tierwohl

Artenschutz im Tierpark Bern basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Forschung hilft dabei, Tierhaltung weiterzuentwickeln, Gesundheitsrisiken besser zu verstehen und Schutzmassnahmen für bedrohte Arten gezielt zu verbessern.

Ein wichtiges Beispiel ist das Forschungsprojekt zur Impfung von Zoovögeln gegen die hochpathogene Vogelgrippe H5N1. Die Dissertation zu diesem neuartigen Impfstoff wurde 2025 erfolgreich abgeschlossen; zentrale Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «Nature Communications» publiziert. Das Projekt zeigt, wie Forschung im Zoo konkrete Lösungen für Tierwohl und Artenschutz liefern kann.

Auch die Europäische Sumpfschildkröte steht im Fokus der Forschung. Eine neue Doktorandin führt die Untersuchungen zur Gesundheit dieser stark gefährdeten Art weiter. Dabei geht es unter anderem um Mycoplasmen und Adenoviren, deren Bedeutung für freilebende und gezüchtete Sumpfschildkröten noch genauer geklärt werden soll.

Weitere Forschungsprojekte beschäftigen sich mit der Anästhesie von Wildwiederkäuern wie Elch und Alpensteinwild, mit der Pilzerkrankung Aspergillose bei Papageitauchern sowie mit dem Verhalten von Wölfen in Kooperation mit der Universität Neuchâtel.

Auch Bauprojekte werden wissenschaftlich begleitet: Eine Bachelorarbeit der Universität Bern untersuchte das Verhalten der Seehunde im neuen SeehundFjord. Die Ergebnisse zeigen, dass die Tiere nach dem Umbau mehr Zeit unter Wasser verbringen und die neuen Beschäftigungselemente aktiv nutzen.

So entsteht im Tierpark Bern Wissen, das nicht nur den Tieren im Zoo zugutekommt, sondern auch Schutzprojekten und Wildtieren in der Natur.

Foto: Krauskopfpelikane, Ruth Locher

Kooperationen und Netzwerk

Erfolgreicher Artenschutz entsteht im Netzwerk. Der Tierpark Bern arbeitet deshalb eng mit zoologischen Verbänden, Naturschutzorganisationen, Forschungsinstitutionen, Behörden und lokalen Partnern zusammen. Als Mitglied von EAZA, WAZA, Zooschweiz und dem Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) ist der Tierpark Bern in internationale Fachnetzwerke eingebunden.

Diese Zusammenarbeit zeigt sich unter anderem in koordinierten EAZA Ex-situ-Programmen, in Forschungsprojekten mit Hochschulen und Fachinstitutionen sowie in regionalen Naturschutzprojekten mit Partnern wie Stadtgrün Bern, Pro Natura, WWF, Wildtier Schweiz und Artenspürhunde Schweiz.

Auch die Bevölkerung ist Teil dieses Netzwerks: Über Bildungsangebote, Führungen, Citizen-Science-Projekte wie «Otterspotter» und den freiwilligen Naturschutzfranken können Besucherinnen und Besucher Artenschutz aktiv mittragen. So wird aus dem Tierparkbesuch ein direkter Beitrag zu konkreten Schutzprojekten.

So wird Artenschutz im Tierpark Bern zu einer gemeinsamen Aufgabe – getragen von Fachwissen, langfristigen Partnerschaften und vielen Menschen, die sich für die Biodiversität einsetzen.

Foto: Europäische Wisente im Dählhölzli-Zoo, Beatrix Werder

Bedeutung des Artenschutzes im Tierpark Bern

Artenschutz ist im Tierpark Bern keine Zusatzaufgabe, sondern Teil seiner Grundhaltung. Unter dem Motto «Mehr Raum für Vielfalt» verbindet der Tierpark Tierwohl, Erhaltungszucht, Forschung, Bildung, Lebensraumaufwertung und konkrete Schutzprojekte.

Dieses Engagement zeigt sich in vielen Bereichen: Der Tierpark unterstützt regionale und internationale Naturschutzprojekte, beteiligt sich an koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen, schafft neue Lebensräume auf dem eigenen Areal und begleitet seine Arbeit wissenschaftlich.

Besonders wichtig ist dabei die Verbindung von Fachwissen und Beteiligung der Bevölkerung. Durch den freiwilligen Naturschutzfranken können Besucherinnen und Besucher direkt zum Schutz bedrohter Arten und Lebensräume beitragen. 2025 wurden dadurch 13 Projekte unterstützt; insgesamt konnten 201’000 Franken in regionale und internationale Natur- und Artenschutzprojekte investiert werden.

So wird der Zoobesuch nicht nur zum Erlebnis, sondern auch zu einem Beitrag für die Biodiversität. Artenschutz im Tierpark Bern ist gelebte Verantwortung – wissenschaftlich fundiert, langfristig angelegt und für alle verständlich erlebbar.

Foto: Exuma-Wirtelschwanzleguan im Dählhölzli-Zoo, Harold Meyer