Der Tierpark Bern und sein Engagement für den Artenschutz
Artenschutz ist eine zentrale Aufgabe des Tierparks Bern. Seit seiner Gründung am 5. Juni 1937 hat er sich schrittweise zu einer bedeutenden Institution für den Schutz bedrohter Tierarten und ihrer Lebensräume entwickelt.
Heute verbindet der Tierpark Bern Erhaltungszucht, Forschung, Bildung, Lebensraumaufwertung und Wiederansiedlungen. Gemeinsam mit Partnerorganisationen trägt er dazu bei, Wildtierpopulationen in der Schweiz und darüber hinaus zu erhalten und zu stärken.
Wie vielfältig dieses Engagement ist, zeigt der Geschäftsbericht 2025 eindrücklich: In den drei Jahren bis Ende 2025 wurden 422 Tiere ausgewildert, mehrere wissenschaftliche Publikationen erarbeitet, regionale und internationale Projekte unterstützt und rund 630 m² Biodiversitätsfläche neu angelegt. Auf dieser Fläche wurden 71 lokale Wildbienenarten nachgewiesen – darunter auch gefährdete Arten.
Hier erfahren Sie, wie der Tierpark Bern Artenschutz konkret umsetzt: mit Zuchtprogrammen, Forschung, regionalen Naturschutzprojekten, internationalen Kooperationen und gezielten Auswilderungen.
Wiedereinbürgerung und Bestandesstärkung von Säugetieren
Auch bei Säugetieren engagiert sich der Tierpark Bern für Wiederansiedlungen, Bestandesstärkungen und den Erhalt genetisch gesunder Reservepopulationen. Einige Projekte reichen weit zurück, andere sind Teil aktueller internationaler Artenschutzarbeit.
Karpaten-Luchs (Lynx lynx carpathicus)
- Der Karpaten-Luchs ist eine Unterart des Eurasischen Luchses. Der Tierpark Bern beteiligt sich an Wiederansiedlungsprojekten in Deutschland und unterstützt mit dem Projekt «Linking Lynx» die Vernetzung isolierter Luchspopulationen.
- 2026 wurde ein junger Karpaten-Luchs aus dem Tierpark Bern für ein wissenschaftlich begleitetes Wiederansiedlungsprojekt in Deutschland übergeben.
- Solche Projekte sollen freilebende Luchspopulationen langfristig stärken und ihre genetische Vielfalt fördern.
Europäischer Ziesel / Schlichtziesel (Spermophilus citellus)
- Der Tierpark Bern beteiligt sich seit 2024 an einem internationalen Wiederansiedlungsprojekt in Tschechien.
- 2024 wurden 15 Berner Ziesel – 10 Jungtiere und 5 adulte Tiere – in Odolický vrch ausgewildert.
- 2025 wurden laut Geschäftsbericht zusätzlich zehn Schlichtziesel in ein Projekt der «Nature Conservation Agency of the Czech Republic» in Tschechien überführt.
- Die Auswilderung erfolgt mit einer Soft-Release-Methode: Vorgegrabene Baue, geschützte Eingewöhnungszonen und Anreize zur eigenen Höhlenbildung sollen den Tieren helfen, standorttreu zu werden.
- Langfristiges Ziel ist die Stabilisierung der Population durch weitere Freilassungen, Monitoring und geeignete Lebensräume.
Elch (Alces alces)
- 2026 verliess ein junger Elchbulle den Tierpark Bern und reiste nach Rumänien.
- Im Naturpark Vânători-Neamț wird er Teil einer kleinen Gründergruppe, die den Grundstein für eine mögliche Wiederansiedlung des Elchs in Rumänien legen soll.
- Der Berner Elch wurde nicht direkt ausgewildert, sondern ist Teil eines wissenschaftlich begleiteten Wiederansiedlungsprojekts.
Wisent (Bison bonasus)
Der Wisent zeigt eindrücklich, wie wichtig langfristige Erhaltungszucht für den Artenschutz ist. Seit vielen Jahren engagiert sich der Tierpark Bern für diese einst in freier Wildbahn ausgerottete Art und trägt dazu bei, genetisch gesunde Populationen in menschlicher Obhut zu erhalten.
In über 50 Jahren hat der Tierpark Bern mehr als 100 Wisente im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms gezüchtet. 22 Tiere konnten dank der Zusammenarbeit mit dem Zuchtbuch und internationalen Organisationen ausgewildert werden.
2025 übernahm der Tierpark Bern zudem eine wichtige Rolle im Wisent-EEP: Aufgrund der Grösse und Komplexität des Programms wurde die Koordination auf drei Institutionen aufgeteilt. Der Tierpark Bern übernimmt eine der beiden Rollen als Vice-Koordinator.
Ein besonderes Highlight:
- 2021 wurden zwei Berner Jungbullen in ein Wiederansiedlungsprojekt im Kaukasus überführt.
- 2023 wurde die Wisentkuh «Uraya», 2016 im Tierpark Bern geboren, gemeinsam mit neun weiteren Tieren in der Kernzone des Shahdag Nationalparks in Aserbaidschan ausgewildert.
- Dank Fotodokumentationen des WWF Deutschland konnte ihre erfolgreiche Integration in die mittlerweile über 60 Tiere starke Herde bestätigt werden.
Weitere Säugetierprojekte
- Alpensteinbock (Capra ibex): Der Steinbock wurde im 19. Jahrhundert in der Schweiz ausgerottet. Dank Wiederansiedlungsprojekten kehrte er erfolgreich in die Alpen zurück. Der Tierpark Bern war an späteren Projekten in der Schweiz, Österreich, Italien und Rumänien beteiligt.
- Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris): In den 1980er Jahren beteiligte sich der Tierpark Bern an der Bestandesstärkung der Wildkatzenpopulation im Schweizer Jura. Zwischen 1984 und 2004 unterstützte er zudem die Wiedereinbürgerung der Wildkatze in Deutschland mit Nachzuchttieren.
- Alpenmurmeltier (Marmota marmota): Der Tierpark Bern stellte Tiere für die Wiederansiedlung des Alpenmurmeltiers im Neuenburger Jura beim Creux-du-Van zur Verfügung.
- Feldhase (Lepus europaeus): Zwischen 1973 und 1979 wurden Feldhasen aus dem Tierpark Bern in der Region Bern und im Seeland freigelassen, um die Bestände zu stabilisieren.
Wiedereinbürgerung und Bestandesstärkung von Vögeln
Auch bei Vögeln blickt der Tierpark Bern auf eine lange Artenschutzgeschichte zurück. Neben historischen Wiederansiedlungen unterstützt er heute weiterhin Projekte, bei denen Nachzuchten aus dem Tierpark zur Stärkung bedrohter Populationen beitragen.
Uhu (Bubo bubo)
Seit 1972 engagiert sich der Tierpark Bern für die Wiederansiedlung des Uhus in der Schweiz. In Zusammenarbeit mit anderen Zoos wurden über 160 Nachzuchttiere im Schweizer Jura freigelassen. Bereits 1976 konnte die erste erfolgreiche Brut in freier Wildbahn dokumentiert werden. Heute gilt die Uhu-Population in der Schweiz als stabil.
Auch über die Landesgrenzen hinaus setzt sich der Tierpark für den Schutz dieser beeindruckenden Eulenart ein: 2023 wurden drei in Bern aufgezogene Jungtiere nach Šiauliai in Litauen gebracht und dort nach sorgfältiger Vorbereitung ausgewildert. Ein Berner Uhu-Weibchen verpaarte sich mit einem wilden litauischen Männchen. Dank GPS-Tracking und Kameraüberwachung wurde eine natürliche Brut mit drei geschlüpften Jungtieren dokumentiert – ein klarer Beleg für die gelungene Integration in die freie Wildbahn.
Auerhuhn (Tetrao urogallus)
- 2025 konnte der Tierpark Bern erstmals sieben junge Auerhähne für ein Auswilderungsprojekt in Deutschland abgeben.
- Die Tiere gingen in ein Projekt im Thüringer Schiefergebirge, wo sie eine bedrohte Restpopulation stützen sollen.
- Die Zucht des Auerhuhns gilt als anspruchsvoll. Der Tierpark Bern ist seit Jahren erfolgreich in der Haltung und Zucht dieser imposanten Hühnervogelart.
- Tiere, die nicht für die Auswilderung bestimmt waren, wurden über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm an andere zoologische Institutionen weitergegeben.
Steinkauz (Athene noctua)
Der Tierpark Bern unterstützt seit 2019 regelmässig ein Wiederansiedlungsprojekt in Deutschland. Ziel ist die Rückkehr des Steinkauzes als Brutvogel in Regionen, in denen er zuvor verschwunden war.
Im Tierpark werden junge Steinkäuze gezüchtet und anschliessend im Rahmen eines sogenannten «Soft Release» behutsam auf die Auswilderung vorbereitet. Im Oktober 2025 wurde ein weiterer Steinkauz aus dem Tierpark Bern für das Projekt abgegeben.
In bereitgestellten Brutkästen wurden wiederholt Jungtiere von ausgewilderten Steinkäuzen nachgewiesen – ein wichtiger Hinweis darauf, dass sich die Art in der Projektregion wieder als Brutvogel etablieren kann.
Weitere Vogelprojekte
- Waldrapp (Geronticus eremita): Der Tierpark Bern beteiligte sich ab 1999 an der Wiedereinbürgerung des Waldrapps in Nordmarokko und stellte Nachzuchtvögel für ein Auswilderungsprojekt bereit.
- Rebhuhn (Perdix perdix): Zwischen 1999 und 2004 unterstützte der Tierpark Bern Projekte zur Bestandesstärkung des Rebhuhns in den Kantonen Genf und Schaffhausen. Trotz intensiver Schutzbemühungen gilt das Rebhuhn in der Schweiz heute als verschwunden.
- Turmfalke (Falco tinnunculus): Zwischen 1975 und 1994 wurden über 50 Jungfalken aus der Nachzucht des Tierparks erfolgreich ausgewildert.
- Schleiereule (Tyto alba): Zwischen 1981 und 1990 stellte der Tierpark Bern etwa 50 Schleiereulen für Wiederansiedlungsprojekte in der Romandie und im Kanton Bern bereit.
Schutzprojekte für Reptilien
Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis)
Seit 2019 begleitet der Tierpark Bern das Wiederansiedlungsprojekt für die Europäische Sumpfschildkröte wissenschaftlich und tiermedizinisch. Sie ist die einzige einheimische Schildkrötenart der Schweiz und gilt hierzulande als vom Aussterben bedroht. Seit 2021 werden auch Nachzuchten aus dem Tierpark Bern ausgewildert.
- 2021: Erste Auswilderung von 18 Jungtieren aus dem Tierpark Bern in einem Feuchtgebiet bei Genf.
- 2022: 17 Jungtiere von privaten Züchtern, die zuvor im Tierpark Bern medizinisch untersucht worden waren, wurden in Les Teppes und Rouelbeau ausgewildert. Im selben Jahr folgten 16 Jungtiere aus der Nachzucht des Tierpark Bern in einem Feuchtgebiet bei Genf.
- 2023: 9 Jungtiere wurden beim Alten Zihlkanal im Kanton Neuenburg ausgewildert.
- 2024: 7 Jungtiere wurden entlang der Rhône in der Nähe des Genfersees ausgewildert, 2 subadulte Weibchen beim Alten Zihlkanal.
- 2025: Im Tierpark Bern schlüpften 15 Jungtiere. 24 Nachzuchten aus dem Vorjahr wurden im Kanton Freiburg ausgewildert – zum ersten Mal in der Geschichte des Kantons.
- 2026: Im Naturschutzgebiet Cheyres wurden rund 80 Europäische Sumpfschildkröten ausgewildert. 10 davon waren Nachzuchten aus dem Tierpark Bern.
Vor jeder Freilassung erfolgen Gesundheitschecks und Markierungen. Das Projekt setzt auf ein «Head-Starting»-Programm: Jungtiere werden in geschützter Umgebung aufgezogen, um ihre Überlebenschancen nach der Freilassung zu erhöhen.
Ringelnatter (Natrix natrix)
- Zwischen 1991 und 1999 unterstützte der Tierpark Bern die Bestandesstärkung der Ringelnatter im Kanton Bern.
- Dabei wurden 53 Tiere an Schutzprojekte der KARCH, der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz, übergeben.
Aspisviper (Vipera aspis atra)
- Seit 1991 unterstützt der Tierpark Bern Schutzmassnahmen für die Aspisviper im Berner Oberland.
- 15 Tiere wurden für Wiederansiedlungsprogramme bereitgestellt.
Schutzprojekte für Insekten
Berner Käferprojekt: Nashornkäfer und Hirschkäfer
Auch im Kleinen geschieht Grosses: Im Rahmen des Berner Käferprojekts engagieren sich Stadtgrün Bern, der Tierpark Bern und das Naturhistorische Museum Bern für seltene holzbewohnende Käferarten.
Seit 2021 setzt sich der Tierpark Bern gemeinsam mit seinen Partnern für die Wiederansiedlung des seltenen Nashornkäfers in der Region Bern ein. Dafür braucht es geeignete Lebensräume wie besonnte Holzhaufen, Strünke und holzreiche Kompoststrukturen.
- 2024: Erstmals wurden rund 50 Nashornkäferlarven im geschützten Umfeld des Tierpark-Areals freigelassen – ein wichtiger erster Schritt für das Käferprojekt.
- 2025: In der nächsten Projektphase wurden 40 Nashornkäferlarven und 90 adulte Nashornkäfer an vier Standorten im Aareraum ausgewildert.
- Neue Lebensräume: Für die Käfer wurden gezielt Totholzstrukturen und sogenannte «Käfer-Treffs» angelegt. Sie bieten ideale Bedingungen für Entwicklung, Fortpflanzung und Schutz.
- Auch für Hirschkäfer wurden weitere Lebensräume und künftige Auswilderungsstandorte vorbereitet.
So sollen sich neue Käferpopulationen entwickeln und langfristig etablieren.
Artenschutz als Gemeinschaftsaufgabe
Der Tierpark Bern hat in den vergangenen Jahrzehnten eine wichtige Rolle bei der Erhaltung bedrohter Tierarten gespielt. Die Projekte zeigen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Zoos, Naturschutzorganisationen, Forschungsinstitutionen, Behörden und der Bevölkerung für den langfristigen Schutz der Biodiversität ist.
Ob Erhaltungszucht, Forschung, Lebensraumaufwertung, Bildungsarbeit oder Auswilderung: Artenschutz gelingt nur gemeinsam. Der Tierpark Bern bleibt dabei ein wichtiger Partner und setzt sich weiterhin für nachhaltige Lösungen zum Erhalt bedrohter Tierarten ein.
Engagement für die Zukunft
Artenschutz braucht klare Ziele, langfristiges Engagement und Menschen, die ihn mittragen. Erfahren Sie mehr darüber, wie sich der Tierpark Bern für die Zukunft der Artenvielfalt einsetzt – und welche Ziele seine Artenschutzarbeit leiten.
Der Tierparkverein Bern – eine starke Stütze für den Artenschutz
Seit vielen Jahren engagiert sich der Tierparkverein Bern für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Tierpark Bern. Durch Spenden, Mitgliedschaften und freiwilliges Engagement unterstützt er naturnahe Anlagen, Bildungsangebote und Projekte, die Tierwohl, Biodiversität und Artenschutz stärken.
Erfahren Sie mehr über die Geschichte des Tierparkvereins Bern – und darüber, wie er den Tierpark seit vielen Jahren begleitet, unterstützt und mitträgt.










