26. Dezember 2024

Berner Praxishandbuch Biodiversität

In der Stadt Bern fehlt es vielen Wildtieren an geeigneten Brut-, Schlaf- oder Rückzugsorten. Alte Bäume mit Höhlen, ungestörte Dachböden oder wilde Hecken werden immer seltener – mit Folgen für Arten wie Meisen, Fledermäuse, Wildbienen oder Igel.

Das „Berner Praxishandbuch Biodiversität – Nisthilfen“ bietet konkrete, praxisnahe Anleitungen und Informationen, wie gezielte künstliche Nisthilfen diese Lücken schliessen können. Es wurde im Rahmen des Projekts „Natur braucht Stadt – Mehr Biodiversität in Bern“ von Stadtgrün Bern herausgegeben und wurde im Haupt Verlag veröffentlicht. Das Praxishandbuch wurde von Fachpersonen von Stadtgrün Bern erarbeitet.

Foto: Frühlingsbiene (Colletes cunicularius) bei der Paarung

Was sind Nisthilfen – und warum sind sie wichtig?

Nisthilfen sind von Menschen geschaffene Unterschlüpfe oder Bruthilfen für bestimmte Tiergruppen – insbesondere für Vögel, Insekten und Kleinsäuger. Sie ersetzen fehlende natürliche Strukturen wie Baumhöhlen oder Nischen an Gebäuden. In einem naturnahen Umfeld mit passenden Nahrungspflanzen und Verstecken können sie gut angenommen werden.

Doch eine Nisthilfe allein genügt nicht: Nur in Kombination mit naturnah gestalteten Lebensräumen – z. B. mit Wildpflanzen, Hecken, Laubhaufen oder offenen Bodenstellen – entfaltet sie ihre Wirkung wirklich.

Foto: Pulsatilla vulgaris (Küchenschelle)

Nisthilfen für Vögel

Viele Singvögel wie Blaumeise, Gartenrotschwanz oder Haussperling brüten in Höhlen – doch diese fehlen oft. Nistkästen für Höhlen- oder Halbhöhlenbrüter sind deshalb eine wichtige Unterstützung. Auch Mauersegler, Schwalben, Turmfalken oder Eulen lassen sich mit speziell angepassten Kästen fördern. Entscheidend sind:

  • die richtige Bauweise (Grösse, Einflugloch)
  • ein passender Standort (ruhig, halbschattig, katzensicher)
  • regelmässige Reinigung (ausser z. B. bei Seglern)

Nistkästen können gekauft oder selbst gebaut werden. Wichtig: Nur unbehandeltes Holz verwenden und keine chemischen Lacke!

Foto: Haussperling (Passer domesticus), Bea Werder

Nisthilfen für Insekten

Gerade Wildbienen sind auf geeignete Niststrukturen angewiesen. Viele Wildbienenarten sind auf ganz bestimmte Nahrungspflanzen spezialisiert – fehlt das passende Futterangebot, hilft auch die beste Nisthilfe nicht.

Empfehlenswert sind kleine, strukturreiche Nisthilfen, kombiniert mit einheimischen Wildblumen. Unterschiedliche Materialien wie markhaltige Pflanzenstängel, Lehmwände oder Holzblöcke bieten ideale Eiablageplätze. Auch für Ohrwürmer, Marienkäfer und Florfliegen können gezielt Quartiere angeboten werden.

Foto: Der Siebenfleckige Marienkäfer

Nisthilfen für Fledermäuse und Kleinsäuger

Fledermäuse verlieren durch Gebäudesanierungen ihre Quartiere. Ein Fledermauskasten an einer ruhigen Hauswand oder ein Baumversteck kann Abhilfe schaffen – Geduld ist allerdings nötig, die Tiere kommen nicht sofort. Auch Igel, Siebenschläfer oder Haselmäuse können mit Igelhäusern, Schlafkästen oder Laubhaufen gezielt unterstützt werden.

Tipp: Igel benötigen im Jahresverlauf unterschiedliche geschützte Rückzugsorte – ein Igelhaus kann besonders im Winter eine grosse Hilfe sein.

Foto: Zwergmaus, Christine Messerli

Worauf es ankommt

Das Praxishandbuch betont, wie wichtig Sorgfalt und Wissen beim Aufstellen von Nisthilfen sind:

  • Kein Einsatz von Pestiziden oder behandeltem Holz
  • Keine Arten künstlich ansiedeln – Tiere sollen von selbst kommen
  • Reinigung und Pflege je nach Tierart jährlich bis zweijährlich
  • Rechtlicher Schutz: Der Brutbetrieb von Vögeln und Säugetieren darf nicht gestört werden.

Der Einsatz von Nisthilfen ist einfach, wirksam und lehrreich – und bringt Natur zurück in den Alltag. Für Schulen, Familien und Naturfreunde bieten sie eine grossartige Möglichkeit, Biodiversität sichtbar zu machen.

Das komplette „Praxishandbuch Biodiversität – Nisthilfen“ kann auf der Website der Stadt Bern als PDF heruntergeladen werden.

Foto: Rabenvogel, Christine Messerli

Erfahren Sie mehr über das Engagement des Tierpark Bern für den Artenschutz und die Erhaltung der Biodiversität – mit Einblicken in aktuelle Schutzprojekte, naturnahe Lebensräume und Bildungsangebote für Besucher.

Mehr dazu wie der Tierpark Bern die Biodiversität der Stadt stärkt

NEUSTE BEITRÄGE

BELIEBTESTE BEITRÄGE