Foto: Marina Jordi
20. November 2025

Ein Herzensprojekt für Bern: Der Tierpark Bern im Wandel – vom Kinderzoo zum FamilienZoo

Der Tierpark Bern hat seine Vision eines neuen FamilienZoos vorgestellt, der ab 2030 den bisherigen Kinderzoo ablösen soll. Wie der Kinderzoo bleibt auch der FamilienZoo kostenlos zugänglich, richtet sein Angebot aber konsequent auf tiergerechte Anlagen und vielfältige Begegnungen aus. Ausgangspunkt ist die Überzeugung «Mehr Platz für weniger Tiere»: grosszügige, naturnahe Lebensräume mit Rückzugsmöglichkeiten, in denen die Tiere selbst entscheiden können, ob sie die Nähe zu Menschen suchen oder lieber Abstand halten.

Foto: Tierpark Bern

Mit dem geplanten FamilienZoo soll ein Ort entstehen, der Tierwohl, Bildung und Erlebnis zeitgemäss verbindet. Die neuen Anlagen werden nach neuesten Erkenntnissen gestaltet und bieten mehr Raum, Struktur und Sicherheit für die Tiere. «Der FamilienZoo ermöglicht Begegnungen, die für Mensch und Tier stimmen», sagt Direktorin Friederike von Houwald. «Wir möchten Räume schaffen, in denen Tiere sich wohlfühlen und Menschen gleichzeitig viel über Natur und Tiere lernen können.» Kinder und Erwachsene sollen Tieren weiterhin nahekommen können – immer im Sinne des Tierwohls. So entsteht ein FamilienZoo, in dem Entdecken, Lernen und Staunen eng miteinander verbunden sind.

Foto: Tierpark Bern

Im FamilienZoo bleibt die Nähe zu den Tieren möglich, wird aber bewusster gestaltet. Kinder können Tiere bürsten, pflegen und umsorgen, wenn die Situation stimmt und das Tier sich wohlfühlt. Das Streicheln als Selbstzweck steht nicht im Mittelpunkt, da es für viele Tiere Stress bedeuten kann. Stattdessen sind ruhige, begleitete Begegnungen wichtig, bei denen sich die Tiere wohlfühlen und Kinder gleichzeitig viel über ihr Verhalten und ihre Bedürfnisse lernen. Kinder beobachten etwa, wie Ziegen klettern, springen und balancieren, und ahmen ihre tierischen Vorbilder auf natürlichen Kletterelementen nach. Sie erleben, wie Küken schlüpfen und heranwachsen, und erfahren dabei, was Tiere brauchen, um gesund aufzuwachsen und sich sicher zu fühlen. 

Foto: Tierpark Bern

Der FamilienZoo ist in mehrere Erlebnisräume gegliedert, die unterschiedliche Zugänge zur Natur eröffnen. Beim Erleben und Verstehen stehen die Wunder des Lebens im Vordergrund – vom frisch geschlüpften Küken bis zum heranwachsenden Jungtier. Beim Beobachten und Nachahmen lernen Kinder durch eigenes Tun, indem sie Bewegungen und Verhaltensweisen der Tiere spielerisch aufnehmen. Im Bereich Entdecken und Erleben rückt der Dalmazibach ins Zentrum: Er wird renaturiert und zu einem lebendigen Naturraum umgestaltet, in dem Kinder und Erwachsene die regionale Tier- und Pflanzenwelt entdecken, im Wasser spielen, Frösche beobachten oder einfach ausruhen können.

Foto: Tierpark Bern

Besonderes Gewicht erhält der Gedanke, dass Erlebnisse für alle möglich sein sollen. Menschen mit besonderen Bedürfnissen sollen Tiere in ruhiger Umgebung und ohne Barrieren erleben können. Geplante, gut zugängliche Bereiche und eine begleitete Gestaltung der Angebote ermöglichen Begegnungen, die auf unterschiedliche Bedürfnisse Rücksicht nehmen. Ergänzt wird der FamilienZoo durch ein frei zugängliches Panorama-Aquarium im neuen AareEingang. Dort wird die Unterwasserwelt der Aare sichtbar: Fische, Pflanzen und die Geschichten des Berner Flusses werden erlebbar gemacht und geben Einblick in die Vielfalt dieses Lebensraums.

Foto: Tierpark Bern

Bewährtes bleibt bewusst bestehen. Der beliebte Spielplatz am Aareufer bleibt erhalten und wird in das neue Konzept eingebettet. Kinder können auch künftig spielen, klettern, im Sand graben oder «Traktor fahren», während Eltern in der Nähe verweilen. Die Nähe zum Restaurant Dählhölzli und Zooshop bleibt erhalten, sodass sich ein Besuch im FamilienZoo weiterhin gut mit einem Zvieri oder einem Glace verbinden lässt.

Foto: Tierpark Bern
Neben dem FamilienZoo sind zwei weitere Bausteine entscheidend für die Zukunft des Tierparks. Der geplante AareEingang wird zum neuen Haupteingang. Heute ist der Zugang zum Tierpark im Wald gelegen, für Ortsunkundige schwer zu finden und nicht auf die heutigen Gästezahlen ausgelegt. Künftig soll der Eingang direkt an der Aare liegen, gut sichtbar und leicht erreichbar. Ein grosszügiger Empfangs- und Kassenbereich wird auf die Besucherströme abgestimmt, ein Lift verbindet das Aareufer mit den Anlagen im Wald. So entsteht eine barrierefreie Verbindung, die den Tierpark für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder eingeschränkter Mobilität einfacher zugänglich macht.
Foto: Tierpark Bern

Hinter den Kulissen ist ein neues Gebäude für die Tierpfleger vorgesehen. Das bestehende Ökonomiegebäude ist in die Jahre gekommen und stark ausgelastet. Ein Neubau an besserer Lage schafft zeitgemässe Arbeitsbedingungen, grosszügige Aufenthalts- und Umkleideräume sowie moderne Räume zur Futteraufbewahrung und -zubereitung nach aktuellen hygienischen Standards. Gleichzeitig werden die Wege sicherer, weil Fussgänger- und Lieferverkehr – insbesondere im Bereich von Restaurant und Spielplatz – besser voneinander getrennt werden können. Auf diese Weise sollen die Mitarbeitenden die Versorgung und Pflege der Tiere auch in Zukunft effizient und unter geeigneten Bedingungen sicherstellen können.

Foto: Tierpark Bern

Die beschriebenen Projekte sind Teil der Gesamtplanung 2023–2033. Ende 2023 hat der Gemeinderat diese Planung mit einem Zeithorizont von zehn Jahren genehmigt und damit die groben Linien der Entwicklung des Tierparks festgelegt. Auf dieser Grundlage erarbeitet der Tierpark nun Schritt für Schritt konkrete Konzepte für einzelne Bereiche – darunter das Areal des heutigen Kinderzoos. In diese Arbeit fliessen langjährige Erfahrung in Tierhaltung, Tierpflege, Tiermedizin sowie in den Bereichen Bildung und Erlebnis ein, ebenso Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Die Vision des FamilienZoos und die Anpassungen am Aareufer sollen einen Blick in die Zukunft ermöglichen und häufige Fragen beantworten. 

Foto: Appenzeller Spitzhaubenhuhn, Michaela Szary

Eine zentrale Voraussetzung ist die Anpassung des Zonenplans. Heute sind im Tierpark kaum bauliche Verbesserungen möglich, weder für Tiere noch für Mitarbeiter oder Besucher. Ohne Zonenplanänderung können weder der FamilienZoo noch der AareEingang oder das neue Gebäude für die Tierpfleger konkret geplant und umgesetzt werden. 

Die Stadtberner Bevölkerung wird voraussichtlich im Juni 2026 über diese Zonenplanänderung abstimmen. Wird sie angenommen, können die Bauarbeiten ab etwa 2030 starten, sodass der Tierpark Bern bis zu seinem 100-Jahr-Jubiläum im Jahr 2037 für das nächste Jahrhundert gerüstet wäre.

Foto: Tierpark Dählhölzli, Kinderspielplatz, vor 1948, Bernhard Eggimann, berndamals.ch

Der Tierpark im Wandel der Zeit

Seit der Eröffnung 1937 hat sich viel verändert. Blicken Sie zurück auf die bewegte Vergangenheit des Tierparks in Bern – von den historischen Anfängen im Dählhölzliwald bis zur heutigen Philosophie «Mehr Raum für Vielfalt».

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