Foto: Tierpark Bern
28. Mai 2026

Frühling im Dählhölzli: Vom Wolfswelpen bis zum Flamingoküken

Im Dählhölzli herrscht Hochbetrieb in der Kinderstube. Dieses Frühjahr hat der Tierpark Bern bei ungewöhnlich vielen Arten Nachwuchs bekommen – vom Wolf über den Elch bis zum Wisent. Für uns als Förderverein ist vor allem die Geburt der Wolfswelpen ein besonderer Moment: Sie kommen in einer Anlage zur Welt, die der Tierparkverein Bern gebaut und finanziert hat.

Foto: Tierpark Bern, Europäischer Wolf

Ein Blick in die verborgene Kinderstube der Wölfe

Bereits zum zweiten Mal in Folge dokumentiert ein Team der Universität Neuchâtel, was sich nach der Geburt tief im Innern der Höhlen abspielt. Mikrofone und Kameras zeichnen dort auf, was Besucherinnen und Besuchern sonst verborgen bleibt. Weil die Aufnahmen inzwischen aus mehreren Jahren vorliegen, lassen sie sich erstmals direkt vergleichen – ein in dieser Form weltweit einmaliger Einblick in das Familienleben eines Wolfsrudels. Im Vorjahr liessen sich durch die Aufnahmen bereits wichtige Beobachtungen rund um die Geburt dokumentieren.
Foto: Tierpark Bern, Europäische Wölfe
Ihre ersten Lebenswochen verbringen die Welpen geschützt im Bau. Zur Welt kommen sie blind und mit geschlossenen Ohren; gesäugt werden sie von der Mutter, die sich kurz vor der Geburt in die Wurfhöhle zurückzieht. Aufschlussreich ist auch das soziale Gefüge: In einem Rudel bekommt in der Regel nur das ranghöchste Paar Junge; an der Aufzucht ist oft das ganze Rudel beteiligt. Die Berner Wolfszucht ist Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP).
Foto: Tierpark Bern, Wisente

Elche und Wisente

Ganz anders die Elche (Alces alces): Ihre Kälber stehen schon kurz nach der Geburt auf den eigenen langen Beinen. Die diesjährigen Zwillinge halten sich vorerst zurückgezogen bei der Mutter auf, damit sie genügend Ruhe haben; ab kommender Woche sollten sie auch für das Publikum zu sehen sein. Ihre erste Nahrung ist die gehaltvolle Muttermilch; später kommt Pflanzliches dazu. 

Auch im Wisentwald gibt es Zuwachs. Der Wisent, das schwerste Wildtier Europas und naher Verwandter des amerikanischen Bisons, war einst beinahe verschwunden – und ist heute ein Vorzeigebeispiel für gelungenen Artenschutz. Über fünf Jahrzehnte hinweg sind in Bern mehr als 100 dieser Tiere aufgewachsen; 22 davon fanden den Weg zurück in die freie Natur.

Foto: Tierpark Bern, Wisent

Ziesel auf dem Weg zurück in die Wildnis

Quirlig geht es bei den Europäischen Zieseln zu (Spermophilus citellus), die auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt werden. Bern beteiligt sich seit 2024 an einem internationalen Wiederansiedlungsprojekt: Am Odolický vrch, einem Steppen- und Heidegebiet in der Tschechischen Republik, werden im Tierpark geborene Tiere ausgesetzt. Damit die Ziesel nicht gleich weiterziehen, bereitet das Projektteam am Aussetzungsort erste Baue vor. Von dort aus graben die Tiere ihre Gänge selbst weiter – so bleiben sie eher in der Nähe des Aussetzungsorts. Auch der diesjährige Nachwuchs und einzelne erwachsene Tiere sind erneut Kandidaten für die Auswilderung.

Foto: Tierpark Bern, Ziesel

Und noch viel mehr Jungtiere

Damit ist die Aufzählung längst nicht zu Ende. Über Nachwuchs freut sich der Tierpark ebenso bei den Steinkäuzen (Athene noctua), den imposanten Alpensteinböcken (Capra ibex), den ursprünglichen Bezoarziegen (Capra aegagrus) und den Rosa-Flamingos (Phoenicopterus roseus). Bei den Flamingos lohnt der zweite Blick: Die Küken tragen zunächst ein graues Federkleid und färben sich erst mit der Zeit rosa – ihre Farbe stammt aus der Nahrung.

Begonnen hat das Jungtierjahr übrigens schon vor dem Frühling: Bereits im Februar kamen bei den Wildschweinen und den Zwergziegen Junge zur Welt. Auch bei einigen Vogelarten gab es bereits Nachwuchs – bei den Russköpfchen, beim Rothaubenturako und bei der Turteltaube.

Foto: Tierpark Bern, Rosaflamingo

Es geht weiter

Und es kommt noch mehr: Auerhühner, Birkhühner und Bienenfresser – alle drei gehören zum EEP – sowie Rothühner und Raufusskäuze sitzen derzeit noch auf ihren Gelegen. Die Kinderschar im Dählhölzli dürfte in den nächsten Wochen also weiter wachsen. Wer die Kinderstube des Tierparks aus nächster Nähe erleben und spannende Hintergründe zur Aufzucht erfahren möchte, kann am geführten Rundgang Jungtiere im Dählhölzli teilnehmen.

Mehr zur Führung

Foto: Tierpark Bern, Steinbockjungtier

Nachwuchs mit Bedeutung

Hinter vielen dieser Jungtiere steckt weit mehr als ein schöner Moment für Besucherinnen und Besucher: Etliche Arten gelten in freier Wildbahn als bedroht; ihre Aufzucht ist Teil koordinierter Schutzprogramme. Der Tierpark Bern entwickelt seine Anlagen laufend weiter, damit die Tiere möglichst naturnah leben können. Auch in den kommenden Jahren stehen wichtige Verbesserungen an. Der Tierparkverein Bern unterstützt den Tierpark Bern bei dieser wichtigen Arbeit – und freut sich über jedes neue Fördermitglied, das dieses Engagement mitträgt.

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