Foto: Tierpark Bern
03. Dezember 2025

Junges Moschusochsen-Paar im Tierpark Bern

Bern stärkt Moschusochsenzucht mit jungem Paar in der «Nordischen Anlage»

Seit dem 13. November 2025 leben zwei junge Moschusochsen in der nordischen Anlage im Tierpark Bern: ein rund eineinhalb Jahre altes Weibchen aus dem Zoo Helsinki (Korkeasaari Zoo) und ein etwa gleichaltriger Bulle aus dem schwedischen Myskoxcentrum in Härjedalen. Die beiden Tiere kamen auf Empfehlung des europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Moschusochsen nach Bern. Im Gegenzug verliess der sechsjährige Moschusochsenbulle «Henk» den Tierpark in Richtung Härjedalen, um dort mit anderen Weibchen Nachkommen zu zeugen.

Foto: Zwei junge Moschusochsen, Christine Messerli, 2025

Langjährige Erfolgsgeschichte in der Moschusochsenzucht

Tierparkdirektorin Friederike von Houwald betont, dass das neue Paar «eine wichtige Grundlage ist, um unsere erfolgreiche Zucht langfristig fortzuführen». Der Tierpark Bern gehört zu den wenigen Einrichtungen in Europa, die Moschusochsen regelmässig erfolgreich nachziehen konnten: Seit der Eröffnung der heutigen Moschusochsen-Anlage 2008 brachte das Berner Zuchtpaar fast jährlich Junge zur Welt, die im Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms an andere Zoos abgegeben wurden. Mit den Moschusochsen vergesellschaftet sind Eiderenten, die auf den Teichen der Anlage leben. Hier gelingt dem Tierpark seit einigen Jahren regelmässig die Nachzucht in Naturbrut. In einem der beiden Teiche leben Wildkarpfen, im anderen Flussbarsche.

Foto: Junger männlicher Moschusochse, Tierpark Bern, 2025

Bedeutung für die Zuchtarbeit

Mit dem neuen Paar setzt der Tierpark Bern seine wichtige Rolle im europäischen Zuchtprogramm fort. Durch die Koordination im europäischen EAZA Ex-situ Zuchtprogramm soll der Bestand langfristig stabilisiert werden. Bern hat mit seiner erfolgreichen Nachzucht bereits mehrfach zum Erhalt der Art beigetragen.

Foto: Junger weiblicher Moschusochse, Tierpark Bern, 2025

Geduld bis zum ersten Nachwuchs

Bis das neue Paar in Bern selbst für Nachwuchs sorgen kann, wird es jedoch noch einige Jahre dauern: Moschusochsen werden in der Regel erst im Alter von vier bis sechs Jahren geschlechtsreif. Der Tierpark Bern ist der einzige Zoo der Schweiz, der Moschusochsen hält – eine Art, die als letzter lebender Vertreter eines urtümlichen Zweiges der Hornträger gilt.

Foto: Moschusochse Henk, Christine Messerli

Projekt «Muskox 2030»

Darüber hinaus haben die beiden Neuankömmlinge in Bern eine wichtige Botschafterrolle für den Artenschutz: Der Tierpark Bern unterstützt mit seinem Naturschutzfranken das Projekt «Muskox 2030» in Schweden. Dieses 2020 gestartete Netzwerk erforscht die Zukunft der frei lebenden schwedischen Moschusochsenpopulation und untersucht ihre Bedeutung für die Biodiversität in den Bergökosystemen. Das Projekt wird vom Myskoxcentrum in Härjedalen gemeinsam mit Partnern wie Vildriket, dem Lycksele Zoo, dem Skåne Zoo sowie verschiedenen Forschungsinstituten getragen. Unterstützt wird es unter anderem vom Tierpark Bern und dem schwedischen Zooverband. Im Rahmen von Feldexpeditionen – von Wintererhebungen bis zu Sommerinventuren – dokumentiert «Muskox 2030» Bestandsgrössen und genetische Vielfalt der Tiere in den norwegisch-schwedischen Fjällgebieten. So entstehen wertvolle Erkenntnisse, die sowohl den Wildbeständen als auch den Zuchttieren in Zoos zugutekommen.

Foto: Moschusochsen-Jungtier, Christine Messerli, 2019

Kurzfilm «Muskox 2030»: Unterwegs mit Schwedens wilden Moschusochsen

Filmemacher Jonas Stenström hat einen Kurz-Dokumentarfilm über die wildlebenden schwedischen Moschusochsen und das Projekt «Muskox 2030» realisiert. Die Aufnahmen entstanden während der Feldarbeiten im Jahr 2024.

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Foto: Moschusochse Henk, Christine Messerli

Vom Aareufer in Bern ins Fjäll: Henk im Myskoxcentrum in Schweden

Der bisherige Berner Zuchtbulle «Henk» – oder «Henke», wie er inzwischen in Schweden liebevoll genannt wird – lebt seit November 2025 im Myskoxcentrum in Tännäs (Härjedalen). Er wurde 2019 im Tierpark Bern geboren und ist heute sechs Jahre alt. Das Myskoxcentrum ist Mitglied der Europäischen Zoovereinigung EAZA; im Rahmen des dortigen Zuchtprogramms für Moschusochsen wurden Henks genetische Linien mit jenen der schwedischen Kühe abgeglichen, woraufhin der Artkoordinator seinen Umzug nach Schweden empfahl. Die Reise von der Schweiz nach Schweden verlief problemlos: Nach zweitägigem Transport traf Henk am 9. November 2025 im Myskoxcentrum ein und wurde zunächst in einer abgetrennten Anlage untergebracht, damit das Team vor Ort seine Eingewöhnung beobachten konnte.

Foto: Moschusochse Henk, Nicola Kaufmann

Gut eingelebt im schwedischen Fjäll

Henk fand sich rasch in die neuen Abläufe ein und hat sich inzwischen gut eingelebt. Er ist deutlich grösser als die «Damen» der Herde, was ihm später helfen dürfte, sich gegenüber den Kühen gut zu behaupten – gut möglich, dass sich die Gruppe zeitweise in zwei Teilherden aufteilt: in die Gruppe um den jungen Bullen Gunnar mit den Jungkühen und Henk mit den älteren Kühen. Damit im nächsten Jahr keine Kälber zu spät geboren werden, bleibt Henk vorerst bis Anfang Januar von den Kühen getrennt. So wird sichergestellt, dass mögliche Jungtiere im Frühling zur Welt kommen und den ganzen Sommer Zeit haben, zu wachsen und sich auf den nächsten Winter vorzubereiten.

Foto: Moschusochse im Herbst, Christine Messerli, 2025

Härzlech willkomme, grosse Schwiizer!

In Schweden ist «Henk» sofort zum Publikumsliebling geworden: Auf den Social-Media-Kanälen des Myskoxcentrum wird er mit Kommentaren wie «Så stor och fin grabb» («so ein grosser und schöner Kerl») oder «Vilket vackert exemplar» («welch ein prächtiges Exemplar») begrüsst. Henks neue Heimat liegt mitten in der weitläufigen Fjälllandschaft von Härjedalen: Das Myskoxcentrum betreibt grosszügige, naturnah gestaltete Anlagen in Nadelwald- und Fjällumgebung, die dem ursprünglichen Lebensraum der Moschusochsen sehr nahekommen. Von einer erhöhten Holzplattform aus blicken die Besucher über Wiesen, Felsen und Wälder auf die Herde – umgeben von Bergen, in denen auch Schwedens einzige wildlebende Moschusochsenpopulation lebt.

Foto: Moschusochsen im Dählhölzli, Michaela Szary