Foto: Benjamin Boehlert
30. Juni 2026

Mit Geduld, Fachwissen und viel Herzblut: Artenschutz aus Bern

Ein neues Kapitel für bedrohte Arten – Auswilderungen und Wiederansiedlungen 2025/2026

Artenschutz ist eines der Herzstücke des Tierpark Bern. Allein in den drei Jahren bis Ende 2025 wurden 422 Tiere ausgewildert. Auch 2025 und 2026 zeigt sich: Artenschutz endet nicht an der Tierparkgrenze. Er braucht Zucht, Fachwissen, geeignete Lebensräume, internationale Zusammenarbeit – und Menschen, die über Jahre dranbleiben.

Foto: Elch, Tierpark Bern

2026: Berner Elch als Hoffnungsträger in Rumänien

Am 20. April 2026 verliess ein junger Elchbulle den Tierpark Bern und reiste nach Rumänien. Im Naturpark Vânători-Neamț wird er Teil einer kleinen Gründergruppe, die den Grundstein für eine mögliche Wiederansiedlung des Elchs in Rumänien legen soll.

In Rumänien gibt es heute keine wildlebende Elchpopulation mehr. Nach einer kurzen Quarantäne soll der Berner Elchbulle in einer 180 Hektar grossen Anlage leben – gemeinsam mit drei Elchkühen und einem weiteren Elchstier. Das Gebiet mit Laub- und Mischwäldern, Grasland und Feuchtgebieten bietet gute Voraussetzungen für die grösste Hirschart Europas.

Damit leistet der Tierpark Bern einen Beitrag zu einem wissenschaftlich begleiteten Wiederansiedlungsprojekt, das weit über die Schweiz hinausreicht.

Foto: Karpaten-Luchs im Dählhölzli-Zoo, Beatrix Werder

2026: Karpaten-Luchs für ein Wiederansiedlungsprojekt in Deutschland

Ein weiterer Beitrag zum Artenschutz führte 2026 nach Deutschland: Ein junger Karpaten-Luchs aus dem Tierpark Bern wurde im Rahmen des wissenschaftlich begleiteten Projekts «Linking Lynx» an ein Wiederansiedlungsprojekt in den Thüringer Wäldern übergeben.

Das Projekt setzt auf genetisch geeignete Karpatenluchse, um die Vielfalt freilebender Populationen zu stärken. Jungtiere aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm können dabei wertvolle neue Gene in Schutzprojekte einbringen.

Bevor Luchse ausgewildert werden, durchlaufen sie umfassende fachliche Prüfungen. Dazu gehören Verhaltenstests, medizinische Untersuchungen und eine sorgfältige Gesundheitsdokumentation. So wird in jedem Einzelfall geprüft, ob ein Tier für eine Auswilderung geeignet ist.

Foto: Europäische Sumpfschildkröte

2026: Sumpfschildkröten aus Bern in Cheyres ausgewildert

Ein besonders erfreulicher Erfolg gelang 2026 erneut bei der Europäischen Sumpfschildkröte: Am 19. Juni wurden im Naturschutzgebiet Cheyres im Kanton Freiburg rund 80 Europäische Sumpfschildkröten ausgewildert. Zehn davon waren Nachzuchten aus dem Tierpark Bern.

Damit setzt der Tierpark Bern sein langjähriges Engagement für die Wiederansiedlung der einzigen einheimischen Schildkrötenart der Schweiz fort – ein schönes Beispiel dafür, wie langfristige Zuchtarbeit und gezielte Auswilderungen zusammenwirken.

Foto: Balzender Auerhahn, Tierpark Bern

2025: Premiere für Auerhühner aus Bern

Ein besonderer Meilenstein gelang im Herbst 2025: Zum ersten Mal konnte der Tierpark Bern sieben junge Auerhähne für ein Auswilderungsprojekt nach Deutschland abgeben. Die Tiere wurden im Thüringer Schiefergebirge freigelassen, wo sie eine bedrohte Restpopulation stützen sollen.

Auerhühner sind in Mitteleuropa selten und stark gefährdet. Ihre Zucht gilt als anspruchsvoll. Der Tierpark Bern gehört zu den wenigen Zoos, die diese imposante Hühnervogelart halten und regelmässig erfolgreich züchten. Im Frühling 2025 wuchsen im Tierpark zwölf Jungvögel heran: drei Weibchen und neun Männchen. Sieben junge Auerhähne wurden für die Auswilderung ausgewählt, die übrigen Tiere gingen an andere europäische Zoos und Tierparks.

Foto: Ziesel, Tierpark Bern

2025: Schlichtziesel für ein Projekt in Tschechien

Auch 2025 leisteten Schlichtziesel aus Bern erneut einen Beitrag zum Artenschutz: Laut Geschäftsbericht wurden zehn Tiere in ein Projekt der «Nature Conservation Agency of the Czech Republic» in Tschechien überführt.

Solche Auswilderungen müssen sorgfältig vorbereitet und begleitet werden. Damit die Tiere am neuen Ort bleiben, sollen sie eigene Gänge graben und so standorttreu werden. Monitoring, Zufütterung, Forschung und die Suche nach geeigneten Lebensräumen gehören ebenfalls dazu. Zoos und Tierparks spielen dabei eine wichtige Rolle, weil sie stabile Reservepopulationen halten und züchten können.

Foto: Europäische Sumpfschildkröte im Dählhölzli-Zoo, Adela Benesova

2025: Sumpfschildkröten im Kanton Freiburg

Auch 2025 gab es bei der Europäischen Sumpfschildkröte erfreuliche Nachrichten: Im Tierpark Bern schlüpften 15 Jungtiere. Zudem wurden 24 Nachzuchten aus dem Vorjahr im Kanton Freiburg ausgewildert – zum ersten Mal in der Geschichte des Kantons.

Damit trägt der Tierpark Bern dazu bei, eine heimische Art zu fördern, die auf geeignete Feuchtgebiete und langfristigen Schutz angewiesen ist.

Foto: Steinkauz (Athene noctua)

2025: Ein Steinkauz für Deutschland

Im Oktober 2025 folgte ein weiterer Beitrag zum Artenschutz: Ein Steinkauz aus dem Tierpark Bern wurde für ein Auswilderungsprojekt in Deutschland abgegeben. Dieses Projekt unterstützt der Tierpark Bern bereits seit 2019 regelmässig.

Foto: Nashornkäfer, Tierpark Bern

2025: Berner Käferprojekt – neue Auswilderungen in Bern

Auch im Kleinen geschieht Grosses. Im Rahmen eines Projekts von Stadtgrün Bern, dem Tierpark Bern und dem Naturhistorischen Museum Bern wurden in Bern erfolgreich gezüchtete Nashornkäfer ausgewildert.

Der Nashornkäfer war früher in Bern heimisch. Damit er zurückkehren kann, braucht es geeignete Lebensräume: besonnte Holzhaufen, Strünke und holzreiche Kompoststrukturen. In den vergangenen Jahren wurden dafür spezielle Totholzstrukturen geschaffen.

Die Larven der ersten Zuchtgeneration hatten ihren rund dreijährigen Entwicklungszyklus abgeschlossen und konnten in vorbereitete Holzhaufen gesetzt werden. Zusätzlich wurden adulte Käfer ausgewildert, die kurz vor Paarung und Eiablage standen. So sollen sich in den vorbereiteten Totholzhaufen neue Populationen entwickeln und etablieren.

Im Rahmen des Berner Käferprojekts wurden im Frühjahr 2025 an drei Standorten in der Stadt Bern 70 adulte Nashornkäfer und 25 Hirschkäferlarven ausgewildert. Im Herbst folgten weitere 145 Nashornkäferlarven an denselben Standorten sowie im Wisentwald des Tierparks.

Foto: Wisent, Beatrix Werder

Zucht und Lebensräume für die Zukunft

Damit auch künftig neue Populationen entstehen können, wurden in der hinteren Engehalde und im Botanischen Garten zwei Hirschkäfermeiler errichtet. Dafür wurden Eichenstämme mit Pilzdübeln vorbereitet und teilweise in den Boden eingegraben. Sie sollen künftig als weitere Auswilderungsstandorte dienen.

Auch die Wisente zeigen, wie wichtig langfristige Zuchtarbeit für den Artenschutz ist: In über 50 Jahren hat der Tierpark Bern mehr als 100 Wisente im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms gezüchtet. 22 Tiere konnten dank der Zusammenarbeit mit dem Zuchtbuch und internationalen Organisationen ausgewildert werden.

Die Auswilderungen, Wiederansiedlungsprojekte und Zuchtprogramme zeigen eindrücklich, wie vielseitig moderner Artenschutz ist: Er reicht von Sumpfschildkröten im Kanton Freiburg über Auerhühner im Thüringer Schiefergebirge, Schlichtziesel in Tschechien und Karpaten-Luchse in europäischen Wiederansiedlungsprojekten bis zu seltenen Käfern mitten in Bern – und 2026 sogar bis zu einem Berner Elch in einem Wiederansiedlungsprojekt in Rumänien.

Gemeinsam haben all diese Projekte ein Ziel: bedrohten Arten wieder eine Zukunft zu geben.

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