Die Seehunde im Tierpark Bern – Willkommen im neuen SeehundFjord
Die Seehunde des Tierpark Bern sind zurück aus ihrem vorübergehenden Zuhause in Schweden – und mit ihnen die rundum erneuerte Anlage. Nach über 20 Jahren Betriebszeit wurde die Seehundanlage umfassend modernisiert und bietet den Tieren nun eine artgerechte, abwechslungsreiche Umgebung auf dem neuesten Stand tierhalterischer Erkenntnisse.

Neuer Lebensraum für die Seehunde
Die neue Anlage orientiert sich am natürlichen Lebensraum der Tiere und wurde als naturnaher Fjord mit Felsformationen, Inseln und Strömungen gestaltet. Diese Strukturierung fördert ein aktives Verhalten im Wasser, insbesondere das Tauchen – ein wichtiger Beitrag zur geistigen und körperlichen Gesundheit der Seehunde.
Neben der Unterwasserwelt wurden auch die Aussenbereiche verbessert. Unterschiedliche Untergründe wie Sand, Kies und Felsen sorgen für mehr Komfort und Abwechslung an Land. Für die Pflege von Haut und Augen steht Salzwasser zur Verfügung – ein essenzieller Bestandteil einer tiergerechten Haltung von Meeressäugern.

Beschattung für mehr Schutz
Ein zentrales neues Element ist das grossflächige Schattendach, das mehr als zwei Drittel der Anlage überdeckt. Es schützt die lichtempfindlichen Augen der Seehunde vor der zunehmenden UV-Strahlung und schafft gleichzeitig ein angenehmes Klima für Besucherinnen und Besucher – bei Sonne ebenso wie bei Regen.
Technische Innovation für Tierwohl
Eine Besonderheit sind die beiden innovativen Futterautomaten, die das Futter unter Wasser freigeben. Sie wurden vom Tierpark-Team eigens entwickelt und bieten den Tieren neue Reize bei der Nahrungsaufnahme. Die erzeugten Wasserströmungen sowie unterschiedliche Tiefenzonen regen die Tiere zusätzlich zur Bewegung an.

Finanzierung und Umsetzung
Die Neugestaltung wurde durch die Unterstützung zahlreicher Partner möglich gemacht. Der Tierparkverein Bern leistete einen zentralen Beitrag zur Finanzierung, ebenso der Lotteriefonds und zahlreiche Einzelspenden. Die Bauarbeiten begannen im August 2024 und wurden im Frühling 2025 erfolgreich abgeschlossen.
Ein Erlebnis für alle Generationen
Die Seehundanlage bietet nicht nur den Tieren mehr Lebensqualität, sondern auch den Besuchenden eindrucksvolle Einblicke in das Leben unter Wasser. Mit dem neuen SeehundFjord setzt der Tierpark Bern ein starkes Zeichen für artgerechte Tierhaltung und einen respektvollen Umgang mit Meeressäugern.

Engagement für eine moderne Seehundanlage
Der Tierparkverein Bern hat zwei Millionen Franken für den Ausbau der Unterwasserwelt zugesichert. Weitere 900.000 Franken stehen im Gabus-Fonds bereit, um die Kosten für die Beschattung zu decken. Insgesamt beläuft sich das Projektvolumen auf 2,9 Millionen Franken.
Die Bauarbeiten haben im August 2024 begonnen und konnten nach rund 13 Monaten erfolgreich abgeschlossen werden. Während dieser Zeit waren die Seehunde in Schweden, wo sie optimal versorgt wurden.

Europäischer Seehund (Phoca vitulina vitulina)
Der Europäische Seehund ist eine Unterart des Gewöhnlichen Seehunds (Phoca vitulina) und in den kühleren Gewässern Europas verbreitet. Er ist bekannt für seine grossen Augen, seine kurze Schnauze und sein charakteristisches, geflecktes Fell, das eine hervorragende Tarnung im Wasser bietet. Sein rundlicher Kopf mit der hohen Stirn und den grossen Augen machen ihn zu einem Paradebeispiel für das Lorenz’sche Kindchenschema. Dadurch ist er ein Sympathieträger und gilt deshalb als Symboltier im Bereich Umweltbildung und Meeresschutz.

Lebensraum
Der Europäische Seehund lebt hauptsächlich in küstennahen Gewässern, insbesondere in der Nordsee, der Ostsee und dem Atlantik. Er bevorzugt sandige oder felsige Küsten und ruhige Buchten als Ruheplätze. Beim Europäischen Seehund bezeichnet man die männlichen Tiere als Rüden und die weiblichen als Fähen.
Aussehen und Merkmale
- Grösse: Rüden 130-186 cm, Fähen 120-170 cm
- Gewicht: Rüden 60-150 kg, Fähen 45-120 kg
- Fellfarbe: Grau bis braun mit dunklen Flecken
- Lebenserwartung: Etwa 20 bis 30 Jahre
- Jungtiere bei Geburt: 75-100 cm, 8-12 kg
- Schnurrhaare auf der Oberlippe helfen bei der Beuteortung
- Beine sind zu Flossen umgewandelt, Kurzfristige Geschwindigkeit bis zu 35 km/h
- An Land bewegen sich Seehunde eher unbeholfen, indem sie ihren Körper wellenförmig vorwärts schieben
Ernährung
Der Seehund ist ein geschickter Jäger und ernährt sich hauptsächlich von Fischen wie Hering, Dorsch, Scholle, Sandgrundeln und Plattfischen. Gelegentlich frisst er auch Krebstiere und Weichtiere.
Fortpflanzung
Die Paarungszeit liegt zwischen Juni und August. Nach der Befruchtung kommt es zu einer Keimruhe, bei der sich der Embryo erst mit Verzögerung in die Gebärmutter einnistet. Die eigentliche Tragzeit beträgt etwa 8 Monate. Die Geburt erfolgt meist im Frühsommer, oft bei Ebbe. Das Weibchen bringt ein einzelnes Jungtier zur Welt, das rund vier Wochen gesäugt wird und in dieser Zeit das Schwimmen und Jagen erlernt. Die Muttermilch enthält über 50 % Fett und ermöglicht eine schnelle Gewichtszunahme.
Besonderheiten
- Seehunde besitzen ein sehr gutes Gehör und hochsensible Schnurrhaare (Vibrissen), mit denen sie feinste Wasserbewegungen wahrnehmen – ideal zur Beuteortung. Ihre Augen sind für schlechte Lichtverhältnisse unter Wasser optimiert und reflektieren Licht ähnlich wie Katzenaugen.
- Sie haben keine äusseren Ohrmuscheln und können ihre Gehörgänge beim Tauchen verschliessen. Überschüssiges Salz scheiden sie über spezialisierte Drüsen aus.
- Ihre Muskulatur enthält viel Myoglobin, was Sauerstoff speichert und lange Tauchgänge von bis zu 30 Minuten ermöglicht.
- Seehunde bewegen sich nahezu geräuschlos durchs Wasser.
- Jeder Seehund hat ein individuelles Fellmuster – vergleichbar mit einem Fingerabdruck.
- Die Jungtiere wachsen durch fettreiche Muttermilch sehr schnell.
- Die verzögerte Einnistung nach der Paarung sorgt dafür, dass die Geburt in die optimale Jahreszeit fällt.
- Seehundmütter erkennen ihre Jungen am Geruch, auch in grossen Gruppen.
- Die Tiere kommunizieren durch Laute wie Bellen oder Grunzen.
- Sie können im Wasser treiben und dabei eine Gehirnhälfte im „Ruhemodus“ halten – ein Phänomen, das als unihemisphärischer Schlaf bekannt ist.
- Neben Haien und Orcas zählen in nördlichen Gebieten auch Seeadler zu den natürlichen Feinden von Jungtieren.
Bedrohung und Schutz
Die grössten Bedrohungen für den Europäischen Seehund gehen von Meeresverschmutzung, insbesondere durch Plastikmüll, Mikroplastik und Umweltgifte, sowie von Störungen durch den Menschen aus – etwa durch zunehmenden Bootsverkehr, Freizeitaktivitäten an Küsten oder den Beifang in der Fischerei.
Obwohl der Seehund in Europa vielerorts unter Schutz steht, sind regionale Bestände durch Lebensraumverlust und Klimaveränderungen anfällig. In mehreren Ländern existieren Programme zur Überwachung der Populationen, zur Rettung und Pflege verletzter oder verwaister Jungtiere sowie zur Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Meeresschutz.
Weltweit gilt der Europäische Seehund als nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN: Least Concern). Die Bestände im Wattenmeer haben sich nach früheren Rückgängen wieder deutlich erholt, schwanken aber in Abhängigkeit von natürlichen Zyklen, Krankheiten (z. B. durch Viren wie Phocine Distemper Virus) und menschlichen Einflüssen.