28. November 2021

Berner Wisente ziehen in die kaukasische Wildnis

Zwei Wisente aus dem Berner Tierpark erkunden seit gestern, 24. Nov. 2021, gemeinsam mit sieben weiteren Artgenossen aus europ√§ischen Zoos die Weiten der abgelegenen Bergw√§lder im nord√∂stlichen Aserbaidschan. Vor mehr als 90 Jahren wurde der letzte Wisent im Kaukasus geschossen. Nun ist es dem WWF in Zusammenarbeit mit dem Tierpark Bern und dem Tierpark Berlin gelungen, Wisente aus europ√§ischen Zoos in ihre angestammte Heimat zu bringen. Bereits im Fr√ľhjahr 2022 sollen die Tiere aus dem Akklimationsareal in die Kernzone des Shahdag Nationalpark ausgewildert werden.In der f√ľnf Hektaren grossen Wisentanlage im Tierpark Bern streifen die Berner Wisente durch den naturbelassenen Wald und ziehen regelm√§ssig Jungtiere auf. Insgesamt 17 Wisentnachzuchten konnten seit dem Jahr 2000 in Auswilderungsprojekte in Polen, Russland und Rum√§nien abgegeben werden: Wiederansiedlungen dieser Art leisten einen massgeblichen Beitrag, um die biologische Vielfalt in den jeweiligen Regionen zu erhalten. ¬ęUmso mehr freuen wir uns, dass wir nun in Partnerschaft mit so vielen Akteurinnen und Akteuren mit zwei m√§nnlichen Wisente auch einen Beitrag zum Arterhalt dieser bedrohten Tierart in Aserbaidschan leisten k√∂nnen¬Ľ, erkl√§rt Meret Huwiler, Kuratorin des Tierpark Bern. Der Tierpark Bern beteiligt sich nicht nur mit zwei Wisentbullen an der Auswilderung, sondern ‚Äď gemeinsam mit dem WWF Schweiz ‚Äď auch an den Kosten des aufw√§ndigen Transports.
Wisent
Foto: Tierpark Bern
¬ęIm Grossen Kaukasus finden die Wildrinder noch grosse zusammenh√§ngende Bergmischw√§lder mit einem nat√ľrlichen Nahrungsangebot. Gleichzeitig bieten die riesigen Naturschutzgebiete gen√ľgend Platz und Schutz f√ľr Best√§nde mit mehreren hundert Tieren. Die Wiederbesiedlung des Wisents ist ein Kraftakt, der nur durch eine langfristige vertrauensvolle Zusammenarbeit von internationalen, nationalen und nicht zuletzt lokalen Partnern geleistet werden kann¬Ľ, erkl√§rt Aurel Heidelberg, zust√§ndig f√ľr die √Ėkoregion Kaukasus beim WWF Deutschland. Er koordiniert die Transportlogistik f√ľr die tonnenschwere lebende Fracht von Deutschland und der Schweiz nach Aserbaidschan und die fachliche Begleitung der Auswilderung im Shahdag Nationalpark.Im Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms des Europ√§ischen Zooverbandes EAZA wurden die beiden m√§nnlichen Jungbullen aus dem Tierpark Bern, geb. 2019, f√ľr das Auswilderungsprojekt im Kaukasus ausgew√§hlt und nach Frankfurt, Hahn transportiert. Dort stiessen sie auf sieben Artgenossen aus den Zoologischen G√§rten Kolmarden und Boras (Schweden), Prag (Tschechischen Republik) sowie Chemnitz, K√∂ln, Bernburg und Karlsruhe (Deutschland), die im Tierpark Berlin auf den Transport vorbereitet wurden.Um sich an ihre neue Heimat zu gew√∂hnen, halten sich die Wildrinder zun√§chst in einem 300 Hektaren grossen umz√§unten Areal auf. In der Wildnis angekommen, m√ľssen sich die Tiere bestimmte angeborenen Verhaltensweisen wieder aneignen. Dazu geh√∂rt zum Beispiel nat√ľrliche Schutzmechanismen gegen√ľber grossen Raubtieren. Einzelne Wisente werden mit GPS-Halsb√§ndern ausgestattet, um die Herde begleiten und ihre Bewegungen besser verfolgen zu k√∂nnen Die Wisente werden voraussichtlich im Fr√ľhjahr 2022 in der Kernzone des Nationalparks ausgewildert. Damit bilden sie die zweite Herde, die im Rahmen des Wiederansiedlungsprojekts entlassen wird. Die erste Herde wird das Auswilderungszentrum noch Ende November 2021 verlassen. Unter diesen 20 Wisenten befinden sich 16 Tiere aus vorigen Transporten sowie vier vor Ort geborene K√§lber.
Wisent
Foto: Tierpark Bern